Zu fromm für den „liberalen“ Staat?

Der Begriff des „Liberalismus“ ist heute positiv besetzt. Tatsächlich jedoch beihaltet die vermeintlich absolute „Wahlfreiheit“ eine grosse Gefahr des Wert- und Bindungsverlustes.

Ende Mai war es wieder einmal soweit: Im Gratisblatt „20Minuten“ wurde unter dem Titel „Kinder sollen beim Spielen zu Gott bekehrt werden“ eine Kampagne gegen eine junge Christin lanciert. Die ach so böse Frau habe im St.Galler Schulhaus Buchwald ein Zimmer gemietet und locke die Kinder mit einem Zvieri und lustigen Spielen ins Schulhaus. Eine „besorgte Mutter“ berichtete: „Jeden Freitagnachmittag ist eine Frau beim Schulhaus und erzählt den Kindern Geschichten aus der Bibel. Ich bin mir sicher, dass die Kinder dort missioniert werden und dass Werbung für eine Freikirche gemacht wird.“ Wie schrecklich!  

Natürlich ging sofort ein Aufschrei durch die Medien. Die seit 15 Jahren existierende „Jungschar Buchwald“ – so nannte sich der Kindertreff – wurde zum Traktandum der Schulbehörde. Diese suchte den Kontakt mit Barbara Loebel – so heisst die junge Frau, die den Kindertreff mitleitete. Obwohl der Schulleiter bestätigen musste, dass am Treff zwar Bibelverse gelesen wurden, aber nie Kinder „missioniert“ wurden, wurde den Leiterinnen per sofort die Bewilligung für den Aufenthalt im Schulzimmer entzogen. Gemäss Reglement für die Raumbenützung werde für Veranstaltungen religiöser Organisationen keine Bewilligung erteilt. 

So funktioniert der radikale Liberalismus 

Bibelverse sind zu christlich, zu fromm für ein öffentliches Schulhaus. Aber das kennen wir ja bereits: Das Spiessrutenlaufen der wenigen Lehrerinnen und Lehrer, die sich noch ans Singen von Weihnachtsliedern oder gar an ein Weihnachtsspiel wagen. Ganz zu schweigen vom Schulgebet – das ist ohnehin tabu. Strikte religiöse Neutralität wird an der öffentlichen Schule gefordert. Auf jeden Fall religiöse Wahlfreiheit: ja keine Vermittlung verbindlicher Wertvorstellungen – das wäre Indoktrination. Die Vermittlung eines agnostischen oder atheistischen Weltbildes ist demgegenüber ok – das ist ja keine religiöse Indoktrination, keine „Missionierung“. So funktioniert der radikale Liberalismus.

Fortpflanzungsmedizin: Die verabsolutierte „Wahlfreiheit“ 

Zeitlich fast parallel fand am 5. Juni die Volksabstimmung über das neue Fortpflanzungsmedizingesetz statt. Dieses wurde mit 62,4% gegen 37,6% gutgeheissen. Konkret bedeutet dies nichts anderes, als dass damit ein industrieller Prozess der vorgeburtlichen Selektion und Liquidierung von bedindertem Leben beginnt. 

Auch hier wieder angewandter, radikaler Liberalismus: Hauptargumente waren, man müsse den Eltern den Kinderwunsch ermöglichen und ihnen die Wahlfreiheit lassen, ob sie ein behindertes Kind ertragen könnten oder nicht. Auch vom „Kindswohl“ war die Rede – davon, dass es für ein „schwer behindertes“ Kind besser sei, nicht geboren zu werden, als zu leiden. Mit Verlaub: Kinder mit Down-Syndrom sind nicht einfach „schwer behindert“ sondern wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft!

Leihmutterschaft: Der Kauf eines Frauenkörpers 

Oder ein weiteres Beispiel: Seit 1. Januar 2016 ist die Zürcher Rechtsprofessorin Andrea Büchler Präsidentin der sog. „Nationalen Ethikkommission“. Bereits im April 2014 meinte sie in der „Neuen Zürcher Zeitung“, dass die Leihmutterschaft zugelassen werden sollte. Es sei „anmassend“, das „Verhalten von Wunscheltern und Leihmüttern moralisch zu werten“. Sie verglich den Verkauf des Körpers einer Leihmutter mit anderen Berufstätigkeiten. Wörtlich schrieb sie: „Auch Models, Tänzer oder Sportlerinnen nutzen ihren Körper, um den Zweck eines Arbeitgebers zu erfüllen. Dennoch können wir sie als Personen respektieren.“ Betreffend die wirtschaftliche Lage, die Leihmütter oft zum Verkauf ihres Körpers nötigt, meinte sie salopp: „Das Vorliegen materieller Ungleichheit zwischen Arbeitgebenden und -nehmenden ist kein hinreichendes Kriterium für Unfreiwilligkeit. Sonst müsste ein Grossteil der Fabrikarbeitenden in Schwellenländern als ‚Zwangsarbeiter‘ bezeichnet werden.“

Das „Alles ist erlaubt“-Prinzip 

Diese Worte aus dem Mund der Präsidentin einer sog. „Ethikkommission“ sind ein Schlag ins Gesicht all jener Frauen, die aus purer Not ihren Körper für eine Leihmutterschaft verkaufen. Aber eben: der Liberalismus kennt keine moralischen Schranken – solche wären „anmassend“. Und tatsächlich sind wir auf dem besten Weg zur Legalisierung der Leihmutterschaft auch in der Schweiz. 

Der Naturrechtler und Philosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde hielt treffend fest: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Oder anders gesagt: Die Demokratie zehrt von (christlich-)moralischen Werten, obwohl sie selber zulässt, dass genau diese Werte vom gesellschaftlichen „Mainstream“ zerstört werden.

Es ist der schrankenlose, permissive, hedonistische Liberalismus, der genau diese Zerstörungsarbeit leistet. Es ist der Liberalismus des „alles ist erlaubt“: Kein Wert ist mehr verbindlich oder „heilig“, ausser vielleicht jener des Geldverdienens um jeden Preis.  

Gar noch weitergehend: Wer (christliche) Werte noch aktiv zu vertreten wagt, macht sich verdächtig. Er hat keinen Platz im öffentlichen Raum, keinen Platz an der öffentlichen Schule, keinen Platz am Fernsehen. Er wird lächerlich gemacht, vielleicht gar verfolgt.

Homoadoption

Gegenwärtig geht es ums Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Auf den ersten Blick tönt das gut: Ein Kind ist doch bei den schwulen „Eltern“ viel besser aufgehoben, wenn es adoptiert werden kann. Das darf man doch nicht so eng, so dogmatisch sehen. Es gehe doch bloss um die Liebe, ums „Kindswohl“.  

Dies stimmt nicht: Repräsentative Studien zeigen, dass die gängige These, wonach kein Unterscheid von homosexuellen Verbindungen zu heterorr�(q �jhr r@ rehr als doppelt so hohes Risiko (2,38-fach) für ernsthafte psychische Probleme verglichen mit Kindern in natürlichen Familien. Das erstaunt nicht. Es ist erwiesen, dass Kinder für ihre ideale Entwicklung und Identitätsfindung Mutter und Vater brauchen. Das Gesetz bricht mit dem Prinzip, dass auch Adoptivkinder ein Recht auf einen Vater und eine Mutter haben, weil dies ihrer natürlichen Herkunft entspricht. 

Agressive Homolobby 

Gegenwärtig sammeln wir Unterschriften für das Referendum. Weiter über 100 Hassmails mit teilweise übelsten Beschimpfungen sind inzwischen bei uns eingegangen. Unsere Website wurde gehackt und uns wurde mit der Sperrung der Facebook-Seite gedroht. Ganz abgesehen vom Telefonterror, den wir in diesen Wochen auch nachts erdulden müssen.

Trotzdem werden wir bei unserem Einsatz nicht nachlassen. Es gilt, den selbstzerstöreri-schen Kräften in unserer Gesellschaft Einhalt zu gebieten! Das ist es uns wert und davon lassen wir uns nicht abbringen! 

Celsa Brunner

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