China rast auf ein demografisches Desaster zu. Der Nachwuchs fehlt. Allein von 2020 bis 2024 mussten über 40’000 Kindergärten schliessen. In den vier Jahren schrumpfte die Zahl der Kindergartenkinder um 25%. Die Reaktion der Zentralregierung kam schnell. Der Staat will nun Vorschulen kostenlos anbieten und die Löhne der Kindergärtnerinnen erhöhen. Zudem soll jede Familie mit Kindern unter drei Jahren jährliche Zulagen etwa 1’000 Franken pro Kind erhalten. Es ist die erste landesweite Direktzahlung zur Geburtenförderung, 20 Millionen Familien könnten davon profitieren. Den Trend zu Kleinstfamilien wird es aber nicht aufhalten, die Einkindpolitik wurde längst zur kulturellen Norm.
Nun setzt Chinas Regierung auf künstliche Intelligenz und Automatisierung. Roboter ersetzen längst Arbeiter, machen Botengänge, verpacken, sortieren, stapeln Waren auf Paletten. China ist seit 2016 das Land mit der höchsten Roboterdichte der Welt, 30% der globalen Roboterverkäufe laufen in China. Sie stehen im Eingang von Spitälern, in Hotellobbys und Restaurants, geben Erstdiagnosen, rufen «Willkommen», liefern Essen aus. Und sie tanzen zur Unterhaltung, wie während der grossen Gala-Show zum chinesischen Neujahr im Staatsfernsehen. Auch in der Altenpflege liegen die Hoffnungen auf KI. Traditionell übernehmen in China jüngere Familienmitglieder die Pflege ihrer Betagten. Zu Hause alt zu werden, ist die Norm. Wer kann, stellt eine unausgebildete Haushälterin vom Land an, die kocht, Bettwäsche wechselt und Medikamente verabreicht. Die Spitäler sind überfüllt, Altersheime teuer und verpönt. In zwanzig bis dreissig Jahren sollten sich deshalb Haushalt- und Pflegeroboter um die Älteren kümmern. Dabei soll KI auch emotionale Rollen übernehmen. «Menschen und intelligente Maschinen werden zusammenleben», so die Prophezeiung der Regierung.
(NZZ)
