Reich an Kindern – Knapp bei Kasse

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Statt der für eine Erneuerung der Generationen nötigen 2,1 Kinder kommen in der Schweiz durchschnittlich nur noch 1,29 Kinder pro Mutter zur Welt. Und jene Familien, die Kinder haben, werden vom Staat oft noch drangsaliert.

2023 wurde die Pleite gegangene Crédit Suisse mit 109 Milliarden Franken Staatsgarantie in die UBS integriert. Diese ist seither die grösste Schweizer Bank. Aber auch die UBS selbst musste 2008 vom Steuerzahler mit 66 Milliarden gerettet werden – sonst gäbe es sie heute gar nicht mehr.

Nicht mehr normal

2023 verdiente UBS-Chef Sergio Ermotti in den ersten neun Monaten seines neuen Amtes 14,4 Mio. Franken – oder 80’000 Franken pro Tag (!). Das ist eine gewaltige Summe. Im selben Jahr lag der Medianlohn (Brutto) für Vollzeitbeschäftigte in der Schweiz bei 84’500 Franken pro Jahr. Oder anders gesagt: Ein normaler Erwerbstätiger verdiente im ganzen Jahr 2023 ungefähr gleich viel, wie UBS-Chef Ermotti an einem einzigen Tag. Das ist nicht mehr normal.

Wenn die Reichen ihre Demut verlieren, vertiefen sich die politischen Gräben. Und genau das passiert gegenwärtig. Das Prinzip ist relativ einfach: Gewinne werden abgeschöpft und als Boni in den Chefetagen verteilt. Verluste werden an die Allgemeinheit ausgelagert. So funktioniert das bei den Bankern. Die UBS-Abzockerei war für unsere Arbeitsgruppe «Jugend und Familie» auch ein Grund, unser Konto dort aufzulösen – und wir empfehlen allen, dasselbe zu tun.

Kinder sind teuer

Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz gehören zu den höchsten weltweit. Vor allem die Familien bekommen das zu spüren. Wie die ETH-Zürich berechnet, benötigt ein Elternpaar mit zwei Kindern ein Monatseinkommen von durchschnittlich rund 8’300 Franken brutto, um über die Runden zu kommen. Davon gehen rund ein Drittel oder 2’750.00 Franken an Steuern, Gebühren und Prämien weg. Für den Lebensunterhalt (inkl. Miete) bleiben noch 5’550 Franken. Am höchsten sind die Kosten naturgemäss mit Kindern ab 12 Jahren. Wenn man diese Zahlen anschaut, so sind Verhaltensweisen wie jene von UBS-Ermotti umso stossender!

Die direkten Kinderkosten bis zum 20. Lebensjahr betragen gemäss Bundesamt für Statistik (BfS) rund 400’000 Franken pro Kind. Hinzu kommen indirekte Kosten wie Karrierenachteile, Betreuungsaufwand und viele andere kleine oder grössere Verzichte. Die Familiengründung ist deshalb ein grosser Schritt – finanziell als auch beruflich. Besonders unglücklich ist, dass der Staat mit Steuern, Gebühren und Prämien ausgerechnet den Familien das Leben schwermacht.

Immer weniger Frauen entscheiden sich für Kinder. So sank die Kinderzahl 2024 auf noch durchschnittlich 1,29 Kinder pro Mutter – der tiefste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Der stärkste Rückgang betraf Drittgeburten mit -13.6%, während Erstgeburten um -8,5% und Zweitgeburten um -9% sanken. Bei den Personen von 20 bis 29 Jahren nimmt der Kinderwunsch deutlich ab. 2023 wollten 17% der Menschen kinderlos bleiben. 2013 waren es noch 6% und 2018 knapp 8%. Bei den 30- bis 39-jährigen stieg der Anteil im selben Zeitraum von 9% auf 16%.

Falsche Anreize

Junge Eltern sind nach der Geburt des ersten Kindes oft in einer Zwickmühle. Sie reduzieren ihr Arbeitspensum, was sich ungünstig mit höheren Ausgaben kombiniert. Obwohl weniger Geld hereinkommt, braucht es mehr Wohnraum, mehr Essen, mehr Platz im Auto. Der bisherige Lebensstil muss geändert werden.

Die Unterstützung des Staates in dieser Situation ist dürftig. Der gesetzliche Mutterschaftsurlaub beträgt nur 14 Wochen (98 Tage) und deckt 80% ihres Einkommens (maximal 220 Franken pro Tag). Hinzu kommen zwei Wochen Vaterschaftsurlaub. Die Kantone Freiburg, Genf, Jura, Luzern, Neuenburg, Schwyz, Uri, Wallis und Waadt richten zudem eine Geburtszulage aus. Generell ist der Druck auf die Mütter gross, sich baldmöglichst wieder in den Erwerbsprozess zu integrieren. Statt der Mutter soll eine «institutionelle Fremdbetreuung» (Krippe, KITA, Fremdfamilien) die Kinder hüten. 74% der Kinder unter 13 Jahren werden zumindest teilweise fremdbetreut.

Vaterschaftsurlaub als Luxus

Auch wenn die Linken es gerne hätten: Die Realität passt sich nicht der Theorie an. Die Arbeitsaufteilung zwischen den Eltern bleibt weitgehend traditionell. Fast 80% folgen einem «modernisierten Versorgermodell»mit einem Haupteinkommen des Vaters und einem kleineren Zweiteinkommen der Mutter. Weniger als 9% der Familien leben ein «partnerschaftliches» Teilzeitmodell (50:50).

Auch der Vaterschaftsurlaub zielt an den Bedürfnissen der Familien vorbei. Die von SP und Grünen lancierte «Familienzeit-Initiative» ist fern der Realität: Sie will, dass Väter und Mütter je 18 Wochen Geburtsurlaub hätten. Dieser wäre nicht übertragbar und sollte nacheinander erfolgen. Maximal ein Viertel könnte gleichzeitig bezogen werden.

Viel dringender als ein Papa-Urlaub wäre es, den Müttern mehr Zeit für ihre Kinder einzuräumen – vor allem in deren ersten Lebensjahren. Die steuerliche Privilegierung der Fremdbetreuung gehört endlich abgeschafft! Es darf nicht sein, dass Eltern, die ihre Kinderbetreuung privat organisieren, vom Staat noch bestraft werden. Gleichzeitig müssten die Kinderabzüge bei den Steuern massiv erhöht werden. Familien mit Kindern sollten bis zu einem Einkommen von 60’000 Franken keine Steuern bezahlen!

Kinderzulagen mit der Giesskanne

Ein Beitrag des Staates sind die Kinderzulagen. Sie wurden per 1. Januar 2025 auf 215 Franken pro Monat erhöht (bis 16. Altersjahr), die Ausbildungszulage von 250 auf 268 CHF (16. bis 25. Altersjahr). Die Kantone können auch höhere Ansätze vorsehen. Das Problem ist, dass es sich dabei um Giesskannenausschüttungen handelt. Die Kinderzulage geht auch an solche, die es gar nicht benötigen. Umgekehrt ist der Betrag zu klein für jene Familien, die wirklich darauf angewiesen wären. Die ökonomische Überlegung dahinter ist das Vermeiden von Anreizen für Mütter, zuhause bei ihren Kindern zu bleiben.

Dies ist ein grosser Fehler! Allzu oft zerbrechen nämlich die Mütter kinderreicher Familien an der Doppelbelastung von Familienmanagement und Erwerbsarbeit. Es entstehen Spannungen und Familien zerbrechen. Die angeblich so glücklichen Patchwork-Familien sind Propaganda. Tatsächlich sind die sozialen Folgekosten der Scheidungen enorm.

Problem Wohnraum

Eine grosse Herausforderung für Familien ist der Wohnraum: Die Eigenheimpreise steigen schneller als die Einkommen. Selbst diszipliniertes Sparen reicht nicht mehr aus für den Kauf eines Eigenheims. Eine Eigentumswohnung kostet heute schweizweit durchschnittlich 950’000 Franken. Hinzu kommt, dass Banken mindestens 20% Eigenkapital verlangen. Solche Beträge können von jungen Familien schlicht nicht mehr angespart werden.

Vor allem in Städten und Agglomerationen explodieren die Mieten. Wer kann, flieht aufs Land und nimmt dafür oft lange Pendlerwege zur Arbeit in Kauf. Oft müssen Eltern und Grosseltern aushelfen, um eine passable Wohnmöglichkeit zu sichern.

Die Rolle des Staates

Das Luzerner Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik veröffentlichte Mitte Februar eine Sudie zur Familienpolitik. Sie zeigt, dass die «familienbezogenen Ausgaben» wesentlich auf kantonaler und lokaler Ebene stattfinden. So gab der Bund 2023 nur rund 257 Mio. Franken aus, während es bei den Kantonen 2,6 Milliarden und bei den Gemeinden weitere 2,2 Milliarden waren. Dieses Vorgehen hat sich bewährt. So liegt die Armutsquote von Haushalten mit Kindern in der Schweiz bei rund 6% – deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 12,1%. Sinnvoll wären aber gezielte Anpassungen staatlicher Leistungen zugunsten Alleinerziehender und einkommensschwacher Familien – und zwar ohne den bestehenden Rahmen zu überdehnen. Beispielsweise der Mutterschaftsurlaub kostete 2023 rund 902 Mio. Franken, der Vaterschaftsurlaub rund 158 Millionen. Eine Ausweitung auf je 18 Wochen brächte jährliche Mehrkosten von rund 258 Mio. Franken beim Mutterschaftsurlaub (+29 Prozent) und rund 1,25 Milliarden beim Vaterschaftsurlaub (+800 Prozent). Viel sinnvoller wäre es, stattdessen die Steuern kinderreicher Familien zu senken oder gezielt die Kinderzulagen zu erhöhen – aber nur für jene, die es wirklich nötig haben.        

Claudia Kaufmann