Pornografie als Ausdruck einer kranken Gesellschaft

Pornografie ist zum Massenphänomen geworden. Kaum jemand hat noch den Mut, öffentlich für den wahren Wert unseres Körpers einzustehen.

Die Situation ist erschütternd: Im Dezember 2024 gehörte «Pornhub» mit fast 21 Millionen Besuchen zu den meistgenutzten Webseiten der Schweiz. Eine kürzliche Studie des christlichen Meinungsforschungsinstituts «Barna Group» ergab letztes Jahr, dass sogar 54% der Christen in den USA pornografische Seiten abrufen. Nur 14% der Befragten äusserten den Wunsch, diese Praxis zu beenden.

Die «neue Normalität»

Zwar ist die Prostitution – also der Verkauf des eigenen Körpers gegen Geld – ein altes Geschäft. Dramatisch verändert haben sich aber die Rahmenbedingungen. Noch nie zuvor wurde die Kommerzialisierung des Körpers derart zur Norm, zur Normalität. Mit der Abwanderung der Prostitution von der Strasse ins Internet wurde diese gewissermassen gesellschaftsfähig.

So reiht sich die Social-Media Plattform «Only Fans» ganz harmlos neben Facebook und Instagram ein. Anders als bei diesen werden dort jedoch gegen Bezahlung pornografische Bilder und Videos geteilt. Damit wird Pornografie zum Massenphänomen. Selbst Kinder sind in der Praxis kaum geschützt. Bereits 10-Jährige haben per Smartphone fast schrankenlosen Zugang zu pornografischen Inhalten – und sogar zu harter Pornografie.

Pornografie im Strafrecht

Das Strafrecht unterscheidet zwischen Erwachsenen und Kindern. Für Erwachsene ist seit dem 1. April 2002 der Erwerb und Besitz sog. «harter Pornografie» (sexuelle Handlungen mit Kindern, Tieren oder mit Gewalttätigkeiten) mit Gefängnis oder Busse strafbar. Der blosse Konsum (z.B. das Betrachten pornografischer Darstellungen im Internet ohne diese auf Datenträger herunterzuladen) bleibt demgegenüber selbst bei harter Pornografie weiter straflos.

Mit dem «Jugendschutz» sollen Kinder und Jugendliche in ihrer sexuellen Entwicklung vor pornografischen Inhalten geschützt werden. Gemäss Art.197 Abs.1 StGB macht sich deshalb strafbar, wer einer Person unter 16 Jahren (Schutzalter) pornografische Schriften, Ton- oder Bildaufnahmen anbietet oder zugänglich macht. Mit dem Beitritt der Schweiz zur sog. Lanzarote-Konvention wurde 2014 der Tatbestand «sexueller Handlungen mit Minderjährigen gegen Entgelt» neu ins Strafgesetz (Art.196) eingefügt. Damit wurde der Einbezug von Personen unter 18 Jahren in pornografische Produktionen unter Strafe gestellt. Zudem wurde die Strafbarkeit der Prostitution Minderjähriger (Art.195 StGB) erweitert.

Seit 1. Juli 2024 gibt es zudem eine neue Strafbestimmung, welche die Veröffentlichung oder Weitergabe pornografischer Inhalte gegen den Willen der Betroffenen unter Strafe stellt (Art.197a).

Prostitution: Weltweit am liberalsten

Die konkrete Regelung der Prostitution innerhalb des breiten Rahmens von Art.195 StGB ist Sache der Kantone. Die Schweiz hat somit eines der liberalsten Prostitutionsgesetze weltweit. Prostitution und die damit verbundene Ausbeutung der Frau ist weitgehend straflos.

In den letzten Jahren gab es mehrere Versuche für ein Prositutionsverbot, indem – wie im schwedischen Modell – die Freier bestraft würden. Am 25. September 2020 reichte die damalige Nationalrätin Marianne Streiff eine Motion «Menschen sind keine Ware» ein. Immer mehr Länder (Norwegen, Island, Kanada, Frankreich, Nordirland, Israel) kennen mittlerweile ein solches Sexkaufverbot. Die Motion Streiff wurde jedoch am 8. Juni 2022 vom Nationalrat mit 172 gegen 11 Stimmen abgelehnt.

Einheit von Körper und Seele

Tatsächlich scheint der Verkauf des menschlichen Körpers für den hiesigen Liberalismus kein Problem darzustellen. Die damalige Präsidentin der nationalen «Ethikkomission», Andrea Büchler, erklärte in der Neuen Zürcher Zeitung bereits 2014, Prostitution und Leihmutterschaft seien ein Geschäft wie jedes andere. Auch Models, Sportlerinnen und Tänzer stellten ja ihren Körper für Geld zur Verfügung. Damit wird völlig übersehen, wie tief die Sexualität unsere ganze Identität prägt. Die grosse Bedeutung der Sexualität in der natürlichen Ordnung Gottes, als schöpferische Kraft und Ausdruck von Liebe und Treue, geht in dieser materialistischen Auffassung völlig vergessen. Der moderne hedonistische Mensch hat seinen moralischen Kompass verloren.

Als Christen orientieren wir uns demgegenüber am biblischen Bild des Körpers als Tempel des Heiligen Geistes (1. Korinther 6,19-20). Wir haben ein ganzheitliches Verständnis vom Menschen und sehen ihn als Einheit von Leib und Seele, Körper und Geist. Unser Körper, unsere Sexualität gehören zu unserer Identität und zu unserem tiefsten Sein als Kinder Gottes. Der Ort des natürlichen Sexuallebens ist die Ehe von Mann und Frau, wo in der liebevollen Beziehung auch das Leben weitergegeben wird.

Ausdruck einer kranken Gesellschaft

Anders als die enthemmte Konsumgesellschaft sind wir deshalb der Überzeugung, dass unser Geist, unsere Seele nicht einfach losgelöst vom Körper existieren. Sexualität ist deshalb nicht einfach ein käufliches Wegwerfgut, sondern untrennbar verbunden mit der dahinter stehenden Person.

Demgegenüber wird Sexualität heute isoliert betrachtet, losgelöst vom Leben mit dem Ehepartner und im Frieden mit Gott. Die durch und durch kommerzialiserte Pornografie ist Ausdruck einer kranken Gesellschaft. Besonders die im Internet «konsumierte» Pornografie überschattet die zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie hat ein enormes Suchtpotential und verlangt immer stärkere Reize. Es liegt auf der Hand, dass mit diesem Pornokonsum das Interesse und die Liebe zum Partner schwindet. Die Folgen sind Vereinsamung und letztlich der Verlust des Bewusstseins für die Treue.

Pseudowissenschaftliche «Ratgeber»

Die Auflösung der christlichen Sexualmoral erfolgt schleichend. Sie sei diskriminierend, lustfeindlich und eine Einschränkung der Selbstbestimmung, verkünden die in den Tagesmedien allgegenwärtigen «Sexualratgeber». Stattdessen preisen sie abstruse und teils perverse Praktiken als «erfülltes Sexualleben» an.

Selbsternannte «Experten» wollen uns weismachen, eheliche Treue sei unnatürlich und Polyamorie (Mehrfachbeziehungen) diene der psychischen Gesundheit. Zudem werden sexuelle Handlungen banalisiert. In den meisten Filmen gehören heute explizite Sexszenen dazu – oft gleichgeschlechtlicher Paare. Und auf den Streaming Plattformen wie Disney und Netflix werden Dreier-Beziehungen als völlig normal dargestellt – so etwa in der Serie «You, me and her».

Die Werte bewahren

Viele fühlen sich verunsichert in dieser Gesellschaft, die ein Leben so weit weg von der christlichen Sexualmoral zelebriert. Wir dürfen aber die Hoffnung nicht verlieren. Der Autor C.S. Lewis (Narnia) bringt es auf den Punkt: «For evil to succeed, it must disguise itself as good» (Damit das Böse gewinnen kann, muss es sich als das Gute tarnen). Für jeden von uns ist es deshalb entscheidend, in der eigenen Ehe und Familie den Halt nicht zu verlieren. Gott hat uns von Anfang an mit unserer Sexualität erschaffen, mit unserem Körper «in seinem Abbild, als Mann und Frau» (Genesis 1). Unsere Sexualität zeichnet uns aus und gehört zu Gottes Plan der bedingungslosen Liebe. Gott hat uns einen verantwortungsvollen Umgang mit der Sexualität anvertraut und im Zeugungsakt werden wir potenziell zu Seinen Mit-Schöpfern. Vereint in der ehelichen Liebe von Mann und Frau tragen wir dazu bei, die Familien zu stärken und das Wunder des Lebens an die nächste Generation weiter zu geben.

Regula Nikles

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