Die Lesefähigkeit der Bevölkerung, insbesondere bei Jugendlichen, geht kontinuierlich zurück. In der Schweiz haben rund 1,25 Millionen (22%) Erwachsene Mühe mit Lesen und Schreiben. Diese werden als funktionale Analphabeten bezeichnet. Sie haben zwar die Grundschule besucht, vermögen aber nur mit Schwierigkeiten alltägliche Texte zu verstehen oder zu verfassen – und dies trotz ständig steigender Bildungsausgaben. Die Folgen sind gravierend: Das erlesene Wissen und die intelligente Wahrnehmung unserer Umwelt sind nämlich in einer Wechselwirkung. Vereinfacht gesagt müssen wir uns immer zuerst (erlesene) Wissensbausteine einprägen und diese Bausteine dann innerlich zu komplexen und kohärenten Modellen organisieren, womit wir die Umwelt einordnen. Die schwindende Lesekompetenz gefährdet deshalb nicht weniger als unsere wissensbasierte Zivilisation. Entgegen dem Trend früherer Jahrzehnte beginnt inzwischen sogar der IQ der Durchschnittsbevölkerung zu stagnieren oder zu sinken (inverser Flynn-Effekt).
(nzz)
