Freude und Geborgenheit in der Familie

Trotz vielen Hindernissen scheint der Wunsch nach einer Familiengründung wieder zu wachsen. Der Staat sollte dieser Entwicklung nicht entgegenarbeiten, sondern sie unterstützen.

In den westlichen Gesellschaften schrumpft die Kinderzahl immer stärker. Mittlerweile werden in der Schweiz statt der für eine Erneuerung der Generationen nötigen 2,1 Kinder pro Mutter nur noch 1,28 Kinder pro Mutter geboren (2024). Dies ist ein historischer Tiefstand.

Double Invcome – No Kids

Die Auswirkungen sind schwerwiegend. Weniger Kinder bedeuten eine alternde Bevölkerung. Die Altersvorsorge ist damit gefährdet: Immer weniger Berufsaktive müssen für immer mehr Rentner aufkommen. Die Spannungen zwischen den Generationen wachsen. Kompensiert wird der Bevölkerungsrückgang nur durch eine steigende Masseneinwanderung aus oft völlig fremden Kulturkreisen. Dadurch wiederum wird die Kohäsion der westlichen Demokratien zunehmend in Frage gestellt.

Die Gründe für die schwindende Kinderzahl sind vielfältig. Eine wichtige Rolle spielt der zunehmende Individualismus und Hedonismus der hippen DINKS («Double Income – No Kids»; Doppelverdiener ohne Kinder). Sie verfolgen eine ausgeklügelte «Work/Life»-Balance – d.h. nur «sinnerfülltes» Arbeiten und möglichst viel Freizeit. Das Übernehmen von Verantwortung stört diese individualistische und konsumfreudige Spassgesellschaft. Aus dieser Sicht ist die Familie nicht mehr der Lebensmittelpunkt, sondern bloss eine von vielen Optionen – und nicht die Angenehmste.

Staat lässt Familien im Stich

Tatsächlich bedeuten Kinder nämlich Kosten und sehr, sehr viel Arbeit. Kinder sind teuer. Gemäss Berechnungen der Baloise-Versicherung vom Januar 2025 belaufen sich allein die direkten Kinderkosten (Ausgaben für Wohnen, Essen, Gesundheit, Kleidung, Schulnebenkosten und Sport, usw.) bis zum 18. Lebensjahr des Kindes auf gut 470’000 Franken. Hinzu kommten noch indirekte Kosten, wie etwa entgangenes Verdienst der Eltern.

Die künstliche Neuaufteilung der elterlichen Rollen, wonach der Vater im Haushalt gleichviel wie die Mutter leisten soll, scheitert an der Realität. Die Familienmutter ist nicht nur Köchin, Näherin und Putzfrau, sondern auch noch Psychologin, Lehrerin, Krankenschwester und sehr oft Trösterin. Die Strategie des Staates, zwecks volkswirtschaftlicher Produktivitätssteigerung immer mehr Mütter in die Erwebsarbeit zu nötigen, ist deshalb verhängnisvoll. Vor allem die Mütter kinderreicher Familien zerbrechen an der Doppelbelastung von Familienmanagement und Erwerbsarbeit. Der Gesellschaft ist damit nicht gedient.

Kinderwunsch wächst wieder

Die Debatte um die Einführung einer Individualbesteuerung ist ein Beispiel für diesen destruktiven Ansatz. Genau die kinderreichen Familien mit einem Haupteinkommen des Vaters und einem kleinen Zweiteinkommen der Mutter wären die grössten Leidtragenden dieses neuen Systems. Sie müssten künftig massiv mehr Steuern bezahlen.

Der Rückgang der Geburtenrate hat viele Gründe. Kosten, Lifestyle und der Druck des Staates sind nur drei davon. Doch der Wunsch nach einer Familie nimmt wieder zu. Nach offizieller Statistik wünschen sich in der Schweiz fast 80 Prozent der 20- bis 29-Jährigen zwei oder mehr Kinder. Nur 16 Prozent wollen keine Kinder – und sie sind zu bedauern.

Persönliche Erfahrung ist entscheidend

Kinder bringen Freude in unser Leben. Sie lassen uns die Welt mit neuen Augen sehen. Sie stellen Fragen, die uns zum Nachdenken bringen, und sie überraschen uns mit ihrer Spontanität und Lebensfreude. Natürlich gibt es auch anstrengende Tage, an denen Geduld und Kraft auf die Probe gestellt werden. Doch viel öfter sind es die schönen Momente, die im Gedächtnis bleiben und uns zeigen, wie reich das Leben mit Kindern ist.

Familien sind aber nicht nur für das persönliche Glück wichtig. Sie sind auch das Fundament von Staat und Gesellschaft. In der Familie wird das Leben weitergegeben, hier wachsen die Menschen auf, die die Zukunft gestalten. Ohne Familien gäbe es keine Zukunft – weder für die Kirche noch für den Staat. Deshalb ist es entscheidend, dass Familien unterstützt und gestärkt werden. Denn wenn Eltern stark sind, profitieren Kinder – und damit die ganze Gesellschaft.

Freude und Geborgenheit

Für uns Christen hat die Familie noch eine tiefere Bedeutung. Sie ist ein Geschenk Gottes, ein Ort, an dem Glaube lebendig wird. Hier lernen Kinder, was Vertrauen und Liebe bedeuten. Hier wird gebetet, gesungen und gefeiert. So wird die Familie zu einem kleinen „Haus der Kirche“, in dem Gottes Liebe erfahrbar wird. Eltern, die ihren Kindern den Glauben weitergeben, schenken ihnen nicht nur eine geistige Heimat, sondern auch Hoffnung und Orientierung für das Leben.

Familie schenkt uns viel Gutes. Sie ist ein Ort des Vertrauens, des Rückhalts und der Heimat. Hier lernen wir, Rücksicht zu nehmen, Verantwortung zu tragen und füreinander da zu sein. Eltern begleiten ihre Kinder auf ihrem Weg, und Kinder bereichern ihre Eltern mit Freude und Lebendigkeit. Es ist ein Geben und Nehmen, das beide Seiten reich macht und das im Herzen bleibt.

Frieden und Dankbarkeit

Besonders spürbar wird die Bedeutung der Familie, wenn wir älter werden. Wer Kinder und Enkel hat, weiss: Man bleibt nicht allein. Familie bedeutet Geborgenheit – auch dann, wenn man schwächer wird. Es gibt jemanden, der zuhört, der begleitet, der trägt. Diese Gewissheit schenkt Sicherheit und Frieden.

So dürfen wir dankbar sein für das Geschenk der Familie. Sie ist mehr als ein Zusammenleben unter einem Dach. Sie ist ein Ort der Freude, der Geborgenheit und der Hoffnung. Trotz aller Herausforderungen ist sie ein unersetzbarer Wert – für uns persönlich, für die Gesellschaft und für die Kirche. Wer eine Familie gründet und gestaltet, trägt dazu bei, dass Liebe, Leben und Zukunft weitergegeben werden.                                 

Regula Nikles

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