Die Familien stärken statt zerstören!

Die Familie ist in der Schweiz in vielfacher Hinsicht unter Druck. Mit der Individualbesteuerung werden Einverdienerfamilien und solche mit einem kleinen Zweiteinkommen gezielt benachteiligt. Mit einer «Ehe light» soll jetzt zudem das Konkubinat aufgewertet werden.

Für Liberale und Linke gibt es nur das Individuum und den Staat. Für uns als Christen sind demgegenüber Ehe und Familie zentraler Baustein der Gesellschaft und des Staates. Im Ehebund versprechen sich Mann und Frau vor Gott Liebe, Treue und gegenseitige Fürsorge «in guten, wie in schlechten Tagen». Ihre Vollendung findet diese Einheit von Mann und Frau in der Weitergabe des Lebens – wenn ihnen ein Kind geschenkt wird. Kinder sind eine Gabe Gottes. Sie erfordern zwar viel Aufwand und Kraft, aber sie bringen auch unendlich viel Freude ins tägliche Leben. So ist die Familie der Ort, wo Treue gelebt und Geborgenheit erfahren wird.

Kranke Gesellschaft heilen

Sie ist auch der Ort, wo Kinder sozialisiert und zu mündigen Bürgern erzogen werden. Dies gilt besonders für Grossfamilien. Dort lernt jeder von klein auf, was Rücksicht und Teilen bedeutet. Gesunde Familien bringen einen gesunden Staat. Unsere Arbeitsgruppe «Jugend und Familie» will Ehen und Familien stärken und damit eine kranke Gesellschaft heilen helfen.

Jedes Jahr werden in unserem Land rund 16’000 Ehen geschieden, Kaum jemand kann ermessen, wieviel Leid hinter diesen Scheidungen steht – für die Ehepartner wie für die Kinder. Allein die materiellen Kosten sind enorm: Mütter mit minderjährigen Kindern verzeichnen nach einer Scheidung durchschnittlich 38% Einkommensverlust. 8% sind in den ersten zwei Jahren danach auf Sozialhilfe angewiesen (EKFF 9/2025). Das Armutsrisiko steigt rapide.

Schwerwiegende Zerfallserscheinungen

Hinzu kommen oft schwere medizinische und psychische Folgen. Scheidungskinder sind oft verhaltensauffällig, haben Verlustängste und scheuen feste Bindungen. Mädchen verarbeiten den Schmerz eher nach innen, werden depressiv, haben Minderwertigkeitsgefühle und psychosomatische Beschwerden (wie Bauch- oder Kopfschmerzen). Auch bei Knaben führt das «Fehlen des Vaters» zu innerer Verunsicherung, die jedoch äusserlich mit einer übertriebenen Idealisierung physischer Kraft kompensiert wird. Verschärft wird das Problem durch die vom militanten Feminismus ständig vorgebrachte «toxische Männlichkeit». Junge Männer können gar kein natürliches Selbstbewusstsein mehr entwickeln, zumal ihnen die Gesellschaft permanent eine latente Gewaltbereitschaft unterstellt.

Kranke Familien bringen einen kranken Staat. Auch das von liberaler Seite gehegte Bild der ach so fröhlichen Patchwork-Familien ist ein Mythos und längst widerlegt. Natürlich gibt es durchaus intakte Patchwork-Familien, aber hinter jeder stehen trotzdem zwei Scheidungen – mit allem Schmerz und Leid, das diese mit sich bringen.

«Modernisierung» der Familie?

Kaum eine andere soziale Institution war in den letzten Jahren brutaleren Veränderungen ausgesetzt als die Familie. Am 24. Juni 2014 fand an der Uni Freiburg eine Konferenz statt, an der rund 400 Professorinnen und Experten verschiedene «Modernisierungsmodelle des Begriffs Familie» diskutierten. Im März 2015 publizierte der Bundesrat daraufhin einen Bericht zur «Modernisierung des Familienrechts», womit er eine politische Diskussion lancieren wollte. Im Rückblick liest sich dieser Bericht wie eine Anleitung zur Demontage der Ehe.

Als neustes Prunkstück soll nun in Ergänzung des Konkubinats («informelle Lebenspartnerschaft») eine sog. «formelle Lebenspartnerschaft» (Pacte civil de solidarité, PACS) geschaffen werden. Die Rechtskommission des Ständerates schickte Ende Mai einen entsprechenden Gesetzesentwurf in die Vernehmlassung. Lanciert hatte die Idee der liberale Ständerat Andrea Caroni (FDP/AR) mit einer parlamentarischen Initiative (22.448).

Ehe als Gemischtwarenladen

Damit soll nun nebst der «formellen Ehe», der (gleichgeschlechtlichen) «eingetragenen Partnerschaft» (Partnerschaftsgesetz), der «Ehe für alle», den «Regenbogenfamilien» (vereinfachte Stiefkindadoption) und dem Konkubinat («informelle Partnerschaft») noch ein weiteres Familienkonstrukt geschaffen werden – nämlich eine «formelle Lebenspartnerschaft» (PACS) als Zwischending von Ehe und Konkubinat. Die neue Institution stünde auch gleichgeschlechtlichen Paaren offen und schafft einen neuen eheähnlichen Rechtsrahmen mit Folgewirkungen im Familien-, Kindes-, Wohnungs-, Sozialversicherungs- und Verfahrensrecht.

Im Kern geht es darum, bisherige Nachteile des Konkubinats zu beseitigen und Vorteile der Ehe ins Konkubinat zu übertragen («Ehe light»). Damit entsteht ein Zwischenstatus, dessen genaue Abgrenzung zur Ehe für Betroffene, Behörden und Dritte schwer verständlich wird. Für die intakten Familien ist besonders problematisch, weil das neue Rechtsinstitut schrittweise eheähnliche Wirkungen erhält, ohne dieselbe institutionelle Verbindlichkeit und Verantwortung vorauszusetzen wie eine Ehe.

Schwächung des Ordnungsrahmens

Die Ehe erfüllt im schweizerischen Recht nicht nur eine private, sondern auch eine gesellschaftliche Ordnungsfunktion. Sie verbindet persönliche Bindung, rechtliche Verantwortung, wirtschaftliche Solidarität und häufig die gemeinsame Verantwortung für Kinder. Wird daneben ein niederschwelliger Status geschaffen, der ausgewählte Vorteile der Ehe übernimmt, so wird die Ehe als besonders verbindliche Lebensform relativiert. Eigentlich müsste der Staat angesichts der gesellschaftlichen Bedeutung der Familie ein Interesse an der Stärkung jener Strukturen haben, die – wie die Ehe – über längere Zeiträume Stabilität und Verlässlichkeit bringen. Aber offenbar ist der hedonistische Individualismus und Materialismus auf einem unaufhaltsamen Durchmarsch, der keinen Raum für moralische Überlegungen mehr lässt.

Ein neuer Zivilstand oder registerähnlicher Paarstatus wird das Familien- und Sozialrecht komplexer machen und Dritte verunsichern, zumal der PACS trotz seiner Eheähnlichkeit innert kürzester Frist wieder aufgelöst werden kann. Behörden, Versicherungen, Arbeitgeber, Spitäler und Gerichte müssten künftig zwischen Ehe, eingetragener Partnerschaft, Konkubinat und PACS unterscheiden. Dies erzeugt Rechtsunsicherheit, insbesondere wenn einzelne Rechtsgebiete später unterschiedliche Folgen an den PACS knüpfen. Statt einer Vereinfachung bringt die Vorlage deshalb neue Abgrenzungsfragen und beeinträchtigt die Rechtssicherheit.

Mini-Ehe mit einem Monat Kündigungsfrist

Der PACS wäre – trotz eheähnlicher Wirkungen – deutlich einfacher zu begründen und aufzulösen als eine Ehe. Vorgesehen ist eine formalisierte Erklärung: Die Auflösung soll ohne Scheidungsverfahren innert 30 Tagen möglich sein. Gerade diese Niederschwelligkeit ist heikel. Der Staat schafft einen anerkannten Paarstatus, der rechtliche Wirkungen entfaltet, aber nicht dieselbe Dauerhaftigkeit und Verantwortung wie die Ehe voraussetzt.

Nachdem die «Ehe für alle» am 26. September 2021 mit über 64% der Stimmen problemlos angenommen wurde, dürfte auch der PACS kaum auf grossen Widerstand stossen. Mit der weiteren Schwächung der Ehe durch ein eheähnliches Konkubinat schadet sich die Gesellschaft selbst. Die Folgekosten sozialer und finanzieller Natur werden dann einfach auf die Gemeinschaft, Krankenkassen und IV abgewälzt.

Seitens unserer Arbeitsgruppe kämpfen wir Jahr für Jahr für starke Ehen und gesunde Familien. Auch wenn der Staat seiner Verantwortung in dieser Hinsicht nicht mehr gerecht wird, dürfen wir mit diesem Einsatz nicht nachlassen. Wir sind deshalb allen von Herzen dankbar, die unsere Familienarbeit mittragen und unterstützen. Celsa Brunner