Kürzlich wurde bekannt, dass in Grossbritannien bereits mehrere Kinder mit der sog. Mitochondrien-Ersatztherapie (MRT) zur Welt kamen. Das «New England Journal of Medicine» berichtete von insgesamt acht Kindern. Dabei geht es um einen Mitochondrienaustausch am Embryo, womit Erbkrankheiten wie das Leigh-Syndrom verhindert werden sollen. Mitrochondrien sind tausendfach in jeder Körperzelle vorkommende Organellen und spielen eine entscheidende Rolle für den Stoffwechsel. Sie sind gewissermassen die «Kraftwerke der Zelle», denn sie übertragen Energie aus der Nahrung in das Speichermolekül Adenosintriphosphat, das die Zellen dann als Universaltreibstoff für biochemische Vorgänge aller Art nutzen. Mitrochondrien werden ausschliesslich von der Mutter an ihre Kinder weitergegeben.
2015 genehmigte das britische Parlament ein experimentelles Verfahren um bestimmte Formen mitochondrialen Erbkrankheiten bei den Kindern vorbelasteter Mütter zu verhindern. Bei diesem MRT-Verfahren werden die kurz vor der Vereinigung stehenden Zellkerne von Spermium und Eizelle der Eltern (die sogenannten Vorkerne) in die entkernte Eizelle einer Spenderin verpflanzt. Auf diese Weise stammen somit sämtliche Gene, die etwa Aussehen oder Persönlichkeit beeinflussen, vom Vater und von der «Hauptmutter». Von der Spenderin erhält das Kind lediglich deren gesunde Mitochondrien. Ein Hindernis für ein entsprechendes Verfahren in der Schweiz ist das geltende Verbot der Eispende.
Das ethische Problem ist, dass die mit dieser Variante der künstlichen Befruchtung gezeugten Kinder gewissermassen drei Eltern haben: Zum Spermium des Vaters und zur Eizele der Mutter kommt noch die entkernte Eizelle einer Spenderin.
(NZZ)
