Kokain ist laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Stiftung Sucht Schweiz nach Cannabis die am weitesten verbreitete illegale Substanz im Land. Während offizielle Befragungen von etwa 60’000 Konsumierenden ausgehen, deuten Abwasseranalysen darauf hin, dass bis zu 150’000 Menschen regelmässig Koks schnupfen. Und der Konsum geht über alle Berufsgruppen und Bevölkerungsschichten hinweg. Sie wollen ihre Müdigkeit besiegen, lange leistungsfähig sein, Stress wegdrücken oder einfach dazugehören. Sie ziehen schnell eine weisse Linie, sie wollen den Energiekick, ordern im Internet oder bei ihrem Stammdealer. Der Durchschnittspreis liegt seit Jahren bei knapp 100 Franken pro Gramm. Mit dem weissen Pulver, das sie durch die Nase jagen, fühlen sie sich wie die Grössten. Zumindest eine Stunde lang.
Die meisten Konsumenten, sagt die Studie, seien Männer zwischen 18 und 34 Jahren. Sie sind sozial bestens integriert, haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder einen Hochschulabschluss und eine Arbeitsstelle. Vor allem in der Gastronomie, im Baugewerbe und in der Kunst- und Unterhaltungsbranche sei der Konsum besonders verbreitet. Jahr um Jahr liefern die Forschungen immer höhere Zahlen. Der Konsum nimmt seit den 2000er Jahren kontinuierlich zu, auch weil die Produktion in Südamerika zunimmt. In Zürich, aber auch in Genf und Bern hätten sich die Kokainrückstände im Abwasser seit 2012 mehr als verdoppelt, heisst es in dem Bericht. Ein Rückgang war in den vergangenen zwei Jahren lediglich in Basel zu sehen. Das aber, so sagen die Forscher, könnte auch mit Veränderungen der Kläranlagen zusammenhängen.
SDA
