Veranstaltung Verboten

Beten für den ungeborenen Menschen als "Störung der Bettagsruhe" ?!

Es sollte ein stiller und besinnlicher Anlass werden: eine Gebetszeit in St.Niklausen, ein Gebetsmarsch in die Ranftschlucht und dort ein überkonfessioneller Gottesdienst vor der Ranftkapelle. Am Gottesdienst hätte u.a. Erzbischof Jean-Claude Périsset als offizieller Delegierter der schweizerischen Bischofskonferenz sprechen sollen.

Drei Dinge wollten wir mit diesem «Beten für den ungeborenen Menschen» am 17. September erreichen:

·         Dank: Für das Leben, das von Gott gegeben ist – ein Geschenk, das sich in der Natur und durch liebe Menschen jederzeit so wunderbar zeigt.

·         Busse: Bitte um Vergebung für die Schuld der Abtreibungen: dafür, dass wir in unserem Land und in unserer Mitte das Leben der Ungeborenen nicht respektieren; dafür, dass wir sie jedes Jahr zu Tausenden töten, wenn sie zum falschen Zeitpunkt unterwegs sind oder wenn sie eine Behinderung oder eine Krankheit aufweisen.

·         Fürbitte: Bitte um Heilung von Abtreibungswunden bei Müttern, Vätern, Verwandten, Freunden, Ärzten und Beratern. Das Gebet, dass die Liebe zum Leben in der Schweiz wieder stärker wird.

 Also nochmals: kein lärmiger, lauter Anlass, sondern das stille, beschauliche Gebet. Doch daraus wurde nichts.

Das Verbot des Regierungsrates 

Am 31. entschied der Regierungsrat des Kantons Obwalden, dass die Durchführung von „Bäte fürs Läbe“ am Bettag nicht mit dem kantonalen Ruhetagsgesetz vereinbar sei. Im Gesetz stehe, dass Veranstaltungen nichtreligiöser Art an hohen Feiertagen grundsätzlich verboten seien, ebenso Veranstaltungen, welche die dem Tag angemessene Ruhe und Würde störten. «Eine politische Komponente kann der geplanten Betveranstaltung mit Blick auf die Ziele des Vereins ‹Marsch fürs Läbe› und auf frühere Veranstaltungen nicht abgesprochen werden», argumentierte die Regierung. Bereits zuvor hatten die Einwohnergemeinden Kerns und Sachseln die nötigen Bewilligungen verweigert.

«Zu erwartende Gegendemonstrationen»

Als entscheidend für den Verbotsentscheid wurden indessen «zu erwartende Gegendemonstrationen» angeführt. Dabei hielt der Regierungsrat fest, „dass die Einwohnergemeinderäte nicht davon ausgehen, dass die geplante Veranstaltung ,Bäte fürs Läbeʻ die öffentliche Ordnung und Ruhe stört, sondern das Störpotenzial von der erwarteten Gegendemonstration durch linksautonome Gruppierungen ausgeht.“ Doch gegen diese sah sich der Regierungsrat nicht imstande, ein Verbot auszusprechen: „Grundsätzlich müsste nach dem Störerprinzip ein Verbot gegen die erwartete Gegenveranstaltung ausgesprochen werden. Da es sich bei der erwarteten Gegenveranstaltung aber um eine spontane Veranstaltung handelt, ist es nicht möglich, ein solches Verbot zu erlassen.“

Grundlegende Fragen

Der Regierungsrat bemerkte in seiner Begründung, dass die Nichterteilung der Bewilligung „nicht als Kniefall vor den Gegendemonstranten verstanden werden“ dürfe. Trotzdem stellen sich nach dem Entscheid doch ganz grundlegende Fragen.

1.      Wofür darf man noch öffentlich Beten?

 Das christliche Bekenntnis gerät in unserem Land in vieler Hinsicht unter Druck: Religiöse Symbole werden aus dem öffentlichen Raum verbannt. Die «Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft» (SGG) möchte unsere Nationalhymne von «religiösem Ballast entstauben». Das Singen von Weihnachtsliedern an der Schule wird zur Gratwanderung. Lehrer, die «zuviel religiöse Initiative» zeigen, müssen sich wegen «Fundamentalismus» rechtfertigen.  

Wie steht es vor diesem Hintergrund und vor dem Entscheid des Obwaldner Regierungsrates noch mit dem öffentlichen Gebet, mit dem öffentlichen Gottesdienst?

Religion, Moral, Politik und Recht lassen sich nicht trennen. Die religiöse Botschaft hat immer auch eine politische Komponente. Werden künftig nur noch öffentliche Gottesdienste zugelassen, die inhaltlich den Normen der politischen Korrektheit entsprechen?

Darf dann für gewisse Dinge nicht mehr gebetet werden: Für das ungeborene Leben? Für die Heilung vor Pornosucht? Für die Heilung von Pädophilie oder Homosexualität? Für die Mütter, die zuhause ihre Kinder betreuen, statt sich in den Erwerbsprozess einzugliedern. Wo zieht der Staat die Grenze, was im Gebet noch «politisch» zulässig sein soll und was nicht mehr? Und: Definiert schliesslich der Staat, wann noch für was gebetet werden darf? Die Religionsfreiheit ist auf jeden Fall aufs schwerste tangiert.
 

2.      Wie steht es mit dem Rechtsstaat?

Wenn ein Gewalt- oder Störaufruf linksextremer Kreise ausreicht um ein Gebetstreffen zu unterbinden: Wo bleibt dann der Rechtsstaat? Sind unsere Behörden nicht mehr fähig, nicht mehr willens, die Versammlungs- und Meinungsäusserungsfreiheit durchzusetzen? Fragt man für eine Bewilligung künftig besser direkt bei der Berner Reithalle nach, statt bei den zuständigen Behörden? Das Resultat ist ja offenbar dasselbe. 

Richtigerweise geht der Staat konsequent gegen den Rechtsextremismus vor. Gleichzeitig ist gegenüber dem gewalttätigen Linksextremismus eine ausgesprochene Nachsicht festzustellen. Linksautonome werden bis weit in linksliberale, bürgerliche Kreise hinein sozialromantisch verklärt. Gewalt gegen Lebensrechtsbefürworter wird damit legitimiert, dass es um die Sicherung des feministischen und gesellschaftlichen Fortschritts gehe.

Auf samtenen Pfoten

Gefährlich ist, dass all diese Fragen trotz ihrer grossen Tragweite in der öffentlichen Diskussion kaum Beachtung finden. Das Obwaldner Verbot von «Bäte fürs Läbe» war für die Schweizer Medien kaum ein Thema.

Das Beten muss frei bleiben! Auch das öffentliche Gebet! Es darf nicht unter Berufung auf «politische» Beweggründe verboten werden! 

In herzlicher Verbundenheit


Käthi Kaufmann-Eggler, Präsidentin der Arbeitsgruppe «Jugend und Familie»

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Käthi Kaufmann-Eggler

Käthi Kaufmann-Eggler, Präsidentin der Arbeitsgruppe «Jugend und Familie»

Familie heisst Zukunft!

Unsere Arbeitsgruppe «Jugend und Familie» ist eine überkonfessionelle, christliche Arbeitsgemeinschaft vielfach junger Ehepaare und Familien. Wir setzen uns ein für die eheliche Treue und für die Familie. Wir kämpfen für den Schutz des menschlichen Lebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod. Ausserdem setzen wir uns ein für die christlichen Grundwerte in Schule, Gesellschaft und Staat.

Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt den kinderreichen Familien unseres Landes, denn sie sind unsere Zukunft. Insgesamt fast 10 Millionen Franken durften wir seit Gründung unserer Arbeitsgruppe für Hilfe an Familien in Not vergeben. Tausende von Familien haben wir nicht nur finanziell, sondern auch mit Beratung unterstützt. In Hunderten von Fällen trug unser Einsatz dazu bei, Ehen und Familien zu retten und neue Hoffnung zu schenken. Heute erhalten wir Briefe von Kindern dieser Familien, die uns für die Hilfe in früherer Zeit danken.

All dies wäre ohne die Unterstützung unserer Mitglieder, Freunde und Gönner nicht möglich gewesen.

Von ganzem Herzen: Danke!

Käthi Kaufmann-Eggler, Präsidentin der Arbeitsgruppe «Jugend und Familie»